Apparatur (umgangssprachlich auch lose Zahnspange) ist der Sammelbegriff für herausnehmbare oder festsitzende kieferorthopädische Geräte, die bei Kindern im Wachstum das Kieferwachstum lenken, schädliche Habits abgewöhnen oder Platz für die bleibenden Zähne halten. In unserer Praxis erfolgen Apparatur-Behandlungen als Zusammenarbeit, in der die kinderzahnärztliche Betreuung durch Doz. Dr. Sezin Özer und die Planung des Fachzahnarztes für Kieferorthopädie unserer Praxis zusammenkommen.
Was ist eine Apparatur und wozu dient sie?
Apparaturen sind Geräte, die individuell für den Mund des Kindes angefertigt werden und sanfte, lenkende Kräfte auf die Zähne oder die Kieferknochen ausüben. Ein Teil davon sind herausnehmbare Geräte, die das Kind selbst einsetzen und herausnehmen kann, andere werden fest an den Zähnen verankert.
Die Stärke der Apparatur liegt darin, dass das Kind noch wächst: Eine Lenkung, die bei aktivem Kieferwachstum erfolgt, ermöglicht es, skelettale Probleme mit dem Wachstum auszugleichen. Dieselben Probleme im Erwachsenenalter zu korrigieren, erfordert meist deutlich umfangreichere Behandlungen.
Wann werden Apparaturen eingesetzt?
Die wichtigsten Einsatzgebiete von Apparaturen in der frühen Kieferorthopädie sind:
- Gaumennahterweiterung bei schmalem Oberkiefer (Korrektur des Kreuzbisses der Seitenzähne)
- Abgewöhnen von Habits wie Daumenlutschen oder verlängertem Schnullergebrauch
- Platzhalter bei frühem Milchzahnverlust zum Sichern des Platzes für den bleibenden Zahn
- Lenkung der bleibenden Zähne beim Durchbruch in die korrekte Position
- Steuerung von Wachstumsdiskrepanzen zwischen Ober- und Unterkiefer
Der Grundgedanke der frühen (interzeptiven) Kieferorthopädie
Die interzeptive Kieferorthopädie will Bissfehlstellungen, die sich im Wechselgebiss — wenn Milch- und bleibende Zähne nebeneinander vorhanden sind — abzuzeichnen beginnen, früh erkennen und behandeln. Nach allgemein anerkannter Auffassung sollte jedes Kind im Alter von etwa 6-7 Jahren kieferorthopädisch beurteilt werden.
Ein Kreuzbiss infolge eines schmalen Oberkiefers etwa lässt sich in diesem Alter mit einer einfachen Apparatur zur Gaumennahterweiterung weitgehend korrigieren. Frühes Eingreifen kann Engstand verringern, das Traumarisiko vorstehender Frontzähne senken und eine später eventuell nötige umfassende Behandlung vereinfachen. Nicht jedes Kind braucht eine Apparatur; die Entscheidung fällt nach der Untersuchung und den erforderlichen Unterlagen.
Mitarbeit von Kind und Familie beim Tragen der Apparatur
Bei herausnehmbaren Apparaturen hängt der Erfolg davon ab, dass das Gerät die vom Behandler empfohlene Zeit konsequent getragen wird; das erfordert die Motivation des Kindes und die Unterstützung der Familie. In unserer Praxis wird dem Kind das Einsetzen, Herausnehmen und Reinigen der Apparatur spielerisch und geduldig beigebracht.
Die Apparatur sollte täglich mit Wasser und einer weichen Bürste gereinigt und, wenn sie nicht getragen wird, in ihrer Box aufbewahrt werden. Regelmäßige Kontrollen sind nötig, damit die Apparatur an den wachsenden Kiefer angepasst bleibt und bei Bedarf nachgestellt wird.
Die Behandlung Schritt für Schritt
Beurteilung und Diagnose
Gebissentwicklung, Biss und Kieferwachstum des Kindes werden aus Sicht von Kinderzahnheilkunde und Kieferorthopädie gemeinsam beurteilt.
Abformung und Anfertigung der Apparatur
Eine Abformung des Mundes wird genommen; die Apparatur wird individuell für die Kieferstruktur des Kindes angefertigt.
Anpassung und Trageanleitung
Die Apparatur wird im Mund angepasst; Tragezeit, Reinigung und Aufbewahrung werden dem Kind und der Familie praktisch erklärt.
Regelmäßige Kontrollen und Nachsorge
Die Apparatur wird in bestimmten Abständen kontrolliert und nachgestellt; Kieferwachstum und Zahndurchbruch werden gemeinsam beobachtet.



